Ein munterer Schlagabtausch ums Parkhaus

Volksabstimmung zum Planungskredit Seeplatz / Dorfhalde

Letztlich entscheiden Dritte, worüber diese zwei sich streiten: SVP-Vizepräsident Samuel Lütolf hofft, dass das Küssnachter Stimmvolk am 8. März der Planung eines Parkhauses in der Dorfhalde grünes Licht erteilt. Doch Mitte-Präsident Mathias Bachmann stellt die Ampel auf Rot und propagiert eine Alternative in der Räbmatt.

Interview von Fabian Duss, erschienen im Freien Schweizer vom Freitag, 20. Februar 2026 | Foto: Carol Mettler | freierschweizer.ch

Parkhaus-Initianten haben sich am Küssnachter Stimmvolk schon mehrfach die Zähne ausgebissen. Herr Lütolf, wieso wird es ausgerechnet Ihnen gelingen, in einigen Jahren ohne Zahnlücken, dafür glückselig mit einem Sektglas in der Hand der Eröffnung des Parkhauses Dorfhalde beizuwohnen?

Lütolf: Es geht nicht um mich, sondern um die komplett neue Ausgangslage, die wir mit der Südumfahrung erhalten haben. Dank ihr ist der Standort, den wir präsentieren, von allen Seiten des Dorfes her erschlossen. Diesen Vorteil hatten jene Standorte, die man in den Neunziger- respektive Anfang der Zehnerjahre diskutierte, nicht. Hinzu kommt, dass der Standort Dorfhalde unterirdisch ist, keinen Quadratmeter Land verschlingt und ultimativ nah am Dorfkern liegt.

Herr Bachmann, die vehementeste Opposition gegen das Parkhaus Dorfhalde kommt von Ihnen. Ähnlich war es bereits letzten Frühling, als die Hallenbadinitiative der SP vors Volk kam. Mögen Sie es der politischen Konkurrenz nicht gönnen, wenn sie Projektideen lanciert, die auf beachtlichen Zuspruch stossen?

Bachmann: Ich sehe meine Rolle als Parteipräsident darin, mögliche Schwierigkeiten und Unbehagen zu benennen und auch jenem Teil der Bevölkerung eine Stimme zu geben, die vorliegend im Parkhaus Dorfhalde nicht nur Positives sehen.

Was hätte Herr Lütolf denn vorschlagen müssen, damit Sie ihm ausnahmsweise mal auf die Schulter klopfen?

Bachmann: Das Problem ist nicht sein Vorschlag an und für sich, sondern dass das Projekt völlig überdimensioniert und dadurch viel zu teuer wird. Das wurden sich die Leute erst im Dezember richtig bewusst.

Obschon Ihr Parkhaus-Projekt in der Bevölkerung beachtlichen Rückhalt geniesst, erhalten Sie aus den anderen Parteien bestenfalls lauwarme Unterstützung. Bedauern Sie das?

Lütolf: Man merkt gut, wer Sachpolitik macht und wer auf Parteigeplänkel setzt. Ich habe mich damit abgefunden. Sachlich gesehen bringt das Projekt nämlich viele Vorteile wie den optimalsten Standort und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der Bezirksrat hatte ja durchaus ein Parkierungskonzept, bevor Sie mit Ihrer Idee kamen. Es sah vor, erst beim Monséjour ein Parkhaus zu bauen und danach, bei Bedarf, mehrere zentrumsnahe Parkhäuser in der Räbmatt, in der Chaspersmatte und im Ebnet. Was passte Ihnen daran nicht?

Lütolf: Der Bezirksrat bat ausdrücklich auch um Ideen aus der Bevölkerung. Diesen Ball griffen wir auf. Früher strebte man mehrere Parkhäuser an peripheren Standorten an. All diese Standorte hatten aber ihre Schwierigkeiten. Wir haben festgestellt, dass man das Parkierungsproblem neu mit einem zentralen Standort lösen kann, der über die Südumfahrung erschlossen wird. Die Erschliessung bleibt jederzeit auch bei Festen oder Veranstaltungen gewährleistet.

Herr Bachmann, sehen Sie Argumente, die für den Standort Dorfhalde sprechen?

Bachmann: Parteigeplänkel kann man weder uns, noch der FDP oder der SP vorwerfen – das möchte ich betonen. Dass sich der Standort eignet, wird von niemandem infrage gestellt. Problematisch sind das Volumen und der Preis. Parteigeplänkel gab es zum Beispiel 2013, als es um den Kauf der Einstellhallenplätze an der Bahnhofstrasse ging. Da bestand ein pfannenfertiges Projekt. Die SVP fand damals, 75 000 Franken pro Parkplatz sei viel zu teuer. Jetzt kommen Sie, Herr Lütolf, mit einem Projekt, das bedeutend teurer ist. Mit einem Projekt, das 23 Mio. Franken kostet, muss man sich kritisch auseinandersetzen.

Lütolf: Es ist ein teures Projekt, aber es hat seinen Wert. Es wird endlich und über Jahrzehnte unsere Parkierungsprobleme im Zentrum lösen. Herr Bachmann, als Mitinitiant der Seeplatz- Petition sollten Sie sich eigentlich bei uns bedanken: Wir sorgen mit unserem Parkierungsprojekt erst dafür, dass man den Seeplatz überhaupt umgestalten kann. Darum verstehe ich Ihre Ablehnung überhaupt nicht.

Bachmann: Da staune ich jetzt also wirklich! Die Räbmatt brachte der Bezirksrat schon lange als mögliche Variante ins Spiel. Auch damit kann man den Seeplatz freispielen.

Das Parkhaus Dorfhalde läge fast ausschliesslich in Perimetern des Inventars der schützenswerten Ortsbilder (Isos) mit den höchsten Erhaltungszielen. Dort sind Neubauten eigentlich unzulässig. Das gilt auch für unterirdische Bauten. Darauf wies die kantonale Denkmalpflege den Bezirk bereits hin. Das ist kein Urteil, aber sicherlich eine grosse Hürde. Wie liesse sie sich meistern?

Lütolf: Mit einem unterirdischen Parkhaus wird das Ortsbild in keinster Weise beeinträchtigt. Und Isos bedeutet auch nicht, dass es dort ein Bauverbot gibt. Es braucht einfach eine Interessenabwägung zwischen den verschiedenen Schutzgütern, dann darf man sehr wohl bauen. Übrigens liegt das ganze Dorf im Isos-Gebiet, aber trotzdem darf man im Dorf noch bauen.

«Das Projekt ist völlig überdimensioniert und wird dadurch viel zu teuer.»

Mathias Bachmann Präsident ‹Die Mitte› Bezirk Küssnacht

«Unser Projekt ist am optimalsten Standort und hat das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.»

Samuel Lütolf Mitinitiant Parkhaus Dorfhalde

Aber für die Dorfhalde gelten die strengsten Erhaltungsziele ‹a› respektive ‹A›.

Lütolf: In Küssnacht sind aber mehrere Bauprojekte in Gebieten mit diesen Erhaltungszielen geplant. Es handelt sich in der Dorfhalde um eine Bauzone, wobei der Grundeigentümer – hier der Bezirk – einen bedingten Anspruch hat zu bauen. Es gilt die Schutzgüter abzuwägen und in Einklang zu bringen, wobei das öffentliche Interesse auch eine wichtige Rolle spielt.

Mit der Geologie im Gebiet Dorfhalde machte man beim Bau der Südumfahrung Bekanntschaft. Sie ist anspruchsvoll und verteuerte das Projekt. Man stiess auf Sandlinsen und hatte einen Wassereinbruch. Der SUK-Projektleiter sprach von einer «schwierigen Baustelle ». Ist das wirklich ein geeigneter Baugrund für ein Parkhaus?

Lütolf: Der Untergrund wurde bereits untersucht und ist optimal für den Bau eines Parkhauses im Tagbau geeignet. Im Unterschied zum Tunnelbau kann man im Tagbau die Baugrube fortlaufend sichern, weshalb nichts von oben hereinbricht. Die Baugrube wird allerdings relativ tief und ihre Sicherung einigermassen aufwendig. Deshalb wurde das in der Kostenschätzung sicherheitshalber grosszügig gerechnet.

Bachmann: Aktuell sehen wir ja gut, was es heisst, im Isos-Gebiet zu bauen: Gegen die Überbauung des Adlergartens gingen mehrere Einsprachen ein. Es wäre schlicht naiv zu behaupten, ein Parkhaus liesse sich dort ganz schnell und absolut problemlos bauen. Man muss mit grossen Hürden und langen Verzögerungen rechnen. Ob das Parkhaus wirklich realisierbar ist, wurde noch nicht im Detail abgeklärt. Auch hier verknüpft der Bezirksrat das Parkhaus mit dem Seeplatz.

Genau: Er geht davon aus, die Beeinträchtigung des Ortsbilds in der Dorfhalde auf dem Seeplatz kompensieren zu können.

Bachmann: Ob das funktioniert, ist bislang nicht abschliessend beurteilt. Man kann nicht in einem Isos-Gebiet etwas abreissen und das dann andernorts kompensieren. Die Räbmatt hingegen liegt in einem Isos-Gebiet mit Erhaltungsziel B. Der Bezirksrat sagte selbst, dass der Kanton dort nur am Rande – wenn überhaupt – mitredet.

Lütolf: Naja, das Land gehört dem Kanton. Ich glaube nicht, dass er nur am Rande mitredet … (lacht) 

Auf dem Seeplatz sollen rund 70 Parkplätze gestrichen werden. In einem Parkhaus Dorfhalde sollen sie durch die drei- bis vierfache Anzahl «kompensiert» werden. Warum braucht Küssnacht ein derart grosses Parkhaus?

Lütolf: In den letzten Jahren haben wir praktisch nichts gemacht, obwohl Küssnachts Bevölkerung seit 1990 um mehr als die Hälfte wuchs. Eine Parkierungsmöglichkeit direkt im Zentrum fördert das Gewerbe, die Läden und die Gastronomie enorm und steigert die Lebensqualität. Tatsächlich ist es nicht nur eine Kompensation für die Seeplatz-Parkplätze. Wir benötigen mehr Parkplätze, um das Dorfzentrum langfristig attraktiv zu behalten.

Herr Bachmann, wie viele Parkfelder gehören in ein Parkhaus, das einen autofreien Seeplatz kompensieren soll?

Bachmann: Der Bezirksrat kam in einer Erhebung auf 150. Wenn man diese Parkplätze am Standort Dorfhalde bauen will, schiessen die Kosten durch die Decke. Jetzt das Parkhaus Dorfhalde auf 250 aufzublasen, damit die Kosten pro Parkplatz runterkommen, ist einfach nicht vernünftig. Es ist richtig, dass Doppelte oder sogar noch etwas mehr an Parkplätzen zu bauen, als auf dem Seeplatz verschwinden. Aber es ist wichtig, nicht sinnlos zu überborden.

Lütolf: Ich denke unternehmerisch: Wenn man investiert, dann richtig. Später kann man ein Parkhaus nicht einfach vergrössern, wenn man mehr Parkplätze benötigt. Die Analyse des Bezirks bezog sich auf das Hier und Jetzt, wir rechnen aber auch den zukünftigen Bedarf.

Bachmann: Der Bezirksrat schlägt ja mehr als das Doppelte vor. Herr Lütolf, Sie setzen sich ja gegen eine Zehn-Millionen- Schweiz ein. Wieso kommen Sie dann mit so einem überdimensionierten Parkhaus? Das ist einfach nicht logisch. Ohne Seeplatz haben wir 450 öffentliche Parkfelder im Zentrum. Ich habe noch immer einen freien Parkplatz gefunden und auch für Grossanlässe stehen genügend zur Verfügung.

Lütolf: Ich habe das Gefühl, neben mir sitze ein junger Grüner aus der Stadt Luzern. Fragen Sie doch mal das Gewerbe, die Gastronomie oder die Detaillisten im Zentrum: Alle befürworten das Projekt! Zu sagen, es habe genügend Parkplätze, ist doch einfach erfunden.

Bachmann: Die jungen Grünen wollen die Parkplätze weghaben. Wir sind aber durchaus für eine Verdoppelung … (lacht) Lütolf: Sie wollten den Seeplatz umgestalten, sagten aber nie, wo Sie die Parkplätze ersetzen wollen.

Am 8. März geht es noch nicht um den Bau, sondern um die Planung eines Parkhauses. Herr Bachmann, was spricht für Sie dagegen, jetzt mal ein Projekt ausarbeiten zu lassen, das sich dann auch konkret beurteilen lässt?

Bachmann: Seit die Dimension und der Preis auf dem Tisch liegen, kamen Bedenken auf. Nun liegen auch die ersten Zahlen für eine Alternative in der Räbmatt vor. Ein Parkhaus wäre dort besser planbar und viel kostengünstiger. Es wäre nicht konsequent, jetzt eine Million für die Planung in der Dorfhalde auszugeben und danach trotzdem dagegen zu sein.

Am Mittwoch lancierte ‹Die Mitte› eine Initiative, um die Planung eines Projekts in der Räbmatt anzustossen. Damit hätte man beispielsweise schon vor fünfeinhalb Jahren kommen können, als die Südumfahrung eröffnet wurde. Wieso kommt ‹Die Mitte› erst und ausgerechnet jetzt damit?

Bachmann: Der Bezirksrat brachte einst von sich aus die Räbmatt und das Monséjour als Standorte ins Spiel. Dann kam die Dorfhalde dazu und der Bezirksrat schlug vor, dort 250 Parkplätze zu bauen. Jetzt ist die Gelegenheit um Stopp zu sagen, weil mit der Räbmatt eine vergleichbare Option auf dem Tisch liegt.

Können Sie den Räbmatt-Ideen irgendwas abgewinnen, Herr Lütolf?

Lütolf: Mit dem Parkhaus Dorfhalde liegt ein schlüsselfertiges Projekt vor. Dass man jetzt mit der Räbmatt kommt, ist für mich einfach ein Störmanöver. Man versucht ein gut fundiertes Projekt zu stören, weil es nicht aus der eigenen Küche kommt. Fakt ist: Die Räbmatt gehört dem Kanton und dieser sagt, dass er das Land wegen der Sanierung der Grepperstrasse erst nach Abschluss der Arbeiten, das heisst allerfrühestens um 2030 herum verkaufen würde. Die Parzelle wurde auf 16,75 Mio. Franken geschätzt. Rechnet man die Erstellungskosten für 150 Parkplätze hinzu, kommt man auf jene rund 23 Mio. Franken, die das Parkhaus Dorfhalde mit 250 Parkplätzen kosten würde.

Aber die 16,75 Mio. Franken sind für die ganze Liegenschaft, wovon ein Parkplatzprojekt höchstens die Hälfte beanspruchen würde.

Lütolf: Natürlich, aber der Kanton sagt klar, dass er im Falle eines Landverkaufs das ganze Land verkaufen würde. Im Gegensatz zu diesen Unwägbarkeiten in der Räbmatt hat man in der Dorfhalde bereits sämtliche Abklärungen getroffen.

Sie fragten den Kanton unlängst, was er eigentlich mit seiner Parzelle in der Räbmatt vorhabe. Theoretisch riskierten Sie damit ein Eigentor, doch für derart unbedacht halte ich Sie nicht. Wussten Sie von Baudirektor André Rüegsegger respektive dessen Baudepartement schon im Vorfeld, dass die Antwort zu Ihren Gunsten ausfallen würde?

Lütolf: Im Zusammenhang mit unserer Analyse für Parkierungsmöglichkeiten im Dorfzentrum vor circa drei Jahren hatte ich abgeklärt, wie der Kanton üblicherweise vorgeht, wenn ihm die Kommunen Land abkaufen wollen. Wichtig zu wissen ist: Der Kanton veräussert Land nicht zu einem Freundschaftspreis, sondern zum Verkehrswert. Deshalb stellten wir fest, dass ein Parkhaus am Standort Dorfhalde zwar aufwendiger wird, in der Räbmatt aber teurer würde. Ich wusste also schon, wie die Antwort ausfallen würde. Ich würde aber erwarten, dass jene Leute, die den Standort Räbmatt für ein Parkhaus vorschlagen, zuerst mit dem Grundeigentümer reden – wie wir das in der Dorfhalde auch taten. Ich weiss nicht, wie man auf die Idee kommt, auf fremdem Land etwas zu planen.

Bachmann: Ich höre gerade viele Halbwahrheiten. Herr Lütolf, Sie standen an der Bezirksgemeinde auf und sagten, das Land in der Räbmatt koste bis zu 3000 Franken pro Quadratmeter. Heute wissen wir: Der Bezirk hatte die Kosten bereits abgeklärt und der Quadratmeter kostet weniger als 2000 Franken. Ihre Behauptung war also falsch.

Lütolf: Der endgültige Preis ist noch nicht verhandelt.

Bachmann: Eine Kleine Anfrage wird bloss vom zuständigen Regierungsrat beantwortet und nicht in der Regierung diskutiert. Das letzte Wort ist hier also noch nicht gesprochen. Nochmals: Der Bezirksrat liess schon 2024 in Absprache mit dem Kanton den Liegenschaftswert schätzen. Würde er sein Land nicht irgendwann verkaufen wollen, hätte das der Kanton nicht getan. Ausserdem ist es reine Augenwischerei und schlicht Humbug, von einem «schlüsselfertigen Projekt» zu sprechen, wenn es erst für eine Million Franken geplant werden muss.

Lütolf: Es ist schlüsselfertig, um über den Planungskredit abzustimmen. Davon ist die Räbmatt noch weit entfernt. Wieso haben Sie denn nicht abgeklärt, ob der Landeigentümer einverstanden ist und was das Land kostet?

Bachmann: Weil mir der Bezirk auf meine Nachfrage hin schon im Dezember die Kostenabklärung gezeigt hat.

Das Baudepartement sagt, es benötige die Räbmatt-Parzelle für die Sanierung der Grepperstrasse, beispielsweise als Installationsplatz. Bis Anfang der 30er-Jahre dürfte sie also nicht für ein Parkhaus zur Verfügung stehen. Wieso sprechen Sie sich trotzdem für die Räbmatt aus?

Bachmann: Die Grepperstrasse wird in mehreren Etappen saniert. Es braucht also verschiedene Bauinstallationsplätze. Jetzt aufgrund der Kleinen Anfrage, die Herr Lütolf an seinen SVP-Kollegen im Regierungsrat schickte, zu suggerieren, dass in der Räbmatt tausende Quadratmeter für einen Installationsplatz benötigt werden, ist schlicht falsch.

Die SVP Küssnacht pocht stets auf einen sorgsamen Umgang mit Steuergeldern, zuletzt etwa bei der Abstimmung zur Asylunterkunft oder zum Hallenbad. Wieso sollten die Stimmbürger Ja zur Planung eines Parkhauses in der Dorfhalde sagen, wenn sich nur ein paar hundert Meter daneben offenbar für deutlich weniger Geld eines bauen liesse?

Lütolf: Aufgrund der heutigen Informationen kann man nicht sagen, dass es günstiger wäre. Zudem ist der haushälterische Umgang mit dem Boden sehr wichtig. Der Standort Dorfhalde ist unterirdisch und zentral. Es ist letztlich eine intelligente Investition in die Zukunft von Küssnacht. Wichtiger als die reine Zahl ist doch, was man fürs Geld kriegt. Das Parkhaus wird uns auf Jahrzehnte hinaus Nutzen bringen.

Der Bezirksrat empfiehlt dem Stimmvolk, den Planungskredit anzunehmen. Gleichzeitig sagt Bauvorsteher Roman Schlömmer, dass ihn auch ein Nein nicht stören würde. Wie beurteilen Sie die Haltung respektive das Verhalten des Bezirksrats?

Bachmann: Es zeigt klar die Option und die Wirtschaftlichkeit der Räbmatt auf. Es ist für mich unbestritten, dass das günstiger wird, auch weil man Hochbauten draufstellen kann. Das wird in der Dorfhalde nie der Fall sein. Die Räbmatt ist dank der Unterführung und dem Garnhänkiweg bereits erschlossen und liegt in der Nähe der Seilbahnstation. Der Bezirksrat signalisiert deutlich, dass man den Seeplatz unabhängig davon auflösen kann, ob das Parkhaus in der Dorfhalde oder in der Räbmatt steht.

Lütolf: Der Schwyzer Baudirektor schrieb, dass bislang weder mit dem Bezirksrat noch mit anderen Interessenten konkrete Verhandlungen über die Räbmatt geführt wurden.

Bachmann: Aber was kostet denn die Einfahrt zum Parkhaus Dorfhalde genau? Mit den dortigen Landeigentümern gab es ebenso wenig konkrete Preisverhandlungen wie mit dem Kanton bezüglich der Räbmatt.

Lütolf: Es gibt eine Absichtserklärung. Bachmann: Aber das ist noch kein Preis.

«Dass man jetzt mit der Räbmatt kommt, ist für mich einfach ein Störmanöver.»

Samuel Lütolf Mitinitiant Parkhaus Dorfhalde

«Die Räbmatt brachte der Bezirksrat schon lange als mögliche Variante ins Spiel.»

Mathias Bachmann Präsident ‹Die Mitte› Bezirk Küssnacht

Gleichwohl empfiehlt der Bezirksrat in seiner Botschaft explizit ein Ja.

Lütolf: Ich kann das Verhalten nicht ganz nachvollziehen. Eigentlich stellt es einen Bruch des Kollegialitätsprinzips dar, wenn sich der Bezirksrat gemeinsam für ein Ja ausspricht und Roman Schlömmer dann sagt, es komme eigentlich nicht darauf an, was man abstimme.

Bachmann: Er bringt einfach zum Ausdruck, dass beides möglich ist.

Lütolf: Der Bezirk hat die Standorte Monséjour, Dorfhalde und Räbmatt verglichen und sich aus verschiedenen Gründen für die Dorfhalde entschieden.

Bachmann: Das ist richtig. Aber der Bezirksrat sagt halt auch, dass es kein Weltuntergang ist, wenn der Planungskredit abgelehnt wird. Das unterstütze ich.

Die Umgestaltung des Seeplatzes ist ebenso Teil des Planungskredits. Wie wichtig ist Ihnen dieses Projekt?

Lütolf: Wir sagten von Anfang an, dass wir mit dem Parkhaus auch ermöglichen können, dass man eine Neugestaltung des Seeplatzes in Angriff nehmen kann. Aber ich muss ehrlich sagen: Der Seeplatz hat für mich keine Priorität. Darüber kann man nachdenken, wenn wir eine zentrale Parkierungslösung haben. Trotzdem haben wir uns jetzt schlussendlich nicht dagegen gewehrt, dass man mit dem Planungskredit auch gleich den Projektwettbewerb anstösst.

Bachmann: Ich sehe das etwas anders. Wir können nicht 23 Mio. Franken in ein Parkhaus mit vergoldeten Parkplätzen investieren und nur einen Bruchteil davon für den Seeplatz.

Folglich würden Sie dereinst auch auf einen gemeinsamen Baukredit bestehen?

Bachmann: Ich bin überzeugt, dass es nicht anders ginge, weil ein Parkhaus Dorfhalde im Isos-Gebiet ohne Kompromisse an einem anderen Ort nicht realisierbar ist – sofern es sich überhaupt bauen lässt.

Lütolf: Wird der Planungskredit am 8. März bewilligt, kann man die Planung in der Dorfhalde vorantreiben. Danach kann man über den Baukredit abstimmen. Das Parkhaus muss fertig sein, bevor man auf dem Seeplatz zu bauen beginnt. Das Gewerbe, die Läden und die Gastronomen im Zentrum wollen zurecht nicht, dass man Parkplätze streicht, bevor man Ersatz dafür hat. Deswegen glaube ich, dass der Bezirksrat zwei separate Baukredite vorlegen muss. Das verschafft ihm auch Zeit, um die Bevölkerung in die Seeplatz-Umgestaltung einzubeziehen.

So würden die Stimmbürger aber riskieren, dass sie zwar ein Parkhaus in der Dorfhalde kriegen, Sie und die SVP dann aber plötzlich Nein zu einem Umgestaltungsprojekt auf dem Seeplatz sagen.

Lütolf: Mein Ja mache ich von einem konkreten Umgestaltungsprojekt abhängig. Heute weiss ich nicht, wie es aussieht. Ich bin aber zuversichtlich, dass in einem partizipativen Prozess ein gutes Projekt entsteht. Mit der Räbmatt, dies als Nebenbemerkung, ginge es auf der Zeitachse nicht mehr auf. Deswegen bietet sich am 8. März die Chance, alles anzupacken und beide Ziele zu erreichen. Andernfalls fangen wir wieder von vorne an und diskutieren wieder jahrzehntelang, ohne eine Lösung zu finden.

Bachmann: Es wäre naiv, zu behaupten, man sei da auf einer Zeitachse, wenn man im Isos-Gebiet baut. Das zeigen im Moment die Einsprachen gegen den Adlergarten. Es ist wirklich Augenwischerei.

Was macht die Mitte mit ihrer Räbmatt-Initiative, wenn das Stimmvolk am 8. März Ja sagt?

Bachmann: Dann möchten wir, dass parallel zur Dorfhalde die Planung der Räbmatt vorangetrieben wird, damit der Bürger letztlich zwei Optionen hat, wenn er über den Baukredit abstimmt.

Herr Lütolf, was tun Sie, wenn das Stimmvolk am 8. März Nein sagt?

Lütolf: Die Küssnachter Bevölkerung erhält jetzt eine einmalige Chance und ich bin fest überzeugt, dass sie diese packen wird. Sollte es trotzdem ein Nein geben, gilt es das zu akzeptieren.

Kontakt

Komitee Parkhaus Dorfhalde
c/o Samuel Lütolf
Riedappel 8
6403 Küssnacht

mail@parkhaus-kuessnacht.ch
+41 79 771 96 69